Verfassungsstädte

Frankfurt am Main – Weimar – Bonn

Deutschland verfügt über eine lange Verfassungstradition. Unser Grundgesetz hat sich in mehr als 70 Jahren bewährt, es fußt jedoch auf einer Entwicklung, die weit ins 19. Jahrhundert reicht. Seine Verfasser schufen den Text nicht völlig neu, sondern schöpften aus dem Reservoir der Vorgängerverfassungen. Dazu zählen insbesondere die Frankfurter Paulskirchenverfassung von 1849 und die Weimarer Reichsverfassung von 1919. Alle drei Verfassungen haben starke Bezüge zueinander, sie bauen aufeinander auf, sind in Teilen sogar wortwörtlich identisch. Zugleich wird in ihnen die Weiterentwicklung des Demokratiebegriffs deutlich.
An den Entstehungsorten der drei Verfassungen – in Frankfurt am Main, Weimar und Bonn – wird in verschiedener Art und Weise an die jeweiligen Ereignisse erinnert. Dies geschieht jedoch überwiegend separat. Das Teilprojekt verfolgt daher das Ziel, die drei Städte stärker inhaltlich zu verbinden und somit die lange Verfassungstradition Deutschlands sichtbarer zu machen. Schließlich gelten sie als Sternstunden der deutschen Demokratiegeschichte.
Die inhaltliche Konzentration auf Frankfurt am Main, Weimar und Bonn bedeutet überdies die Einbeziehung von Standorten, die in den engeren Prozess der Verfassungsgebung gehören, etwa Offenburg und Heppenheim, Schwarzburg oder Koblenz, Herrenchiemsee und Königstein. Diese kleineren Standorte sollen daher das Dreiernetzwerk ergänzen und das Thema in die Breite tragen.
Konkret ist vorgesehen, wissenschaftliche Recherchen zur deutschen Verfassungstradition unter besonderer Berücksichtigung der Verfassungen von 1849, 1919 und 1949 durchzuführen, Publikationen zu erstellen und ein Netzwerk zwischen den Orten zu knüpfen, das es erlaubt, die Jahrestage der Verfassungsgebung gebührend mittels verschiedener Veranstaltungen sichtbar zu machen. Das Projekt arbeitet ferner darauf hin, im Jahr 2024 den ersten gesamtdeutschen Tag der demokratischen Verfassungsgeschichte in Form einer dezentralen Großveranstaltung zu etablieren.

Abbildung: Ludwig von Elliott: Sitzung der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche, 1848