Weimar in den Regionen

Die Landesväter der Weimarer Republik

Die Erinnerung an die Demokratie in der Region zur Zeit der Weimarer Republik ist für alle Bundesländer wichtig, nicht nur als Beitrag für eine gesamtstaatliche Demokratiegeschichte, sondern auch für die Entwicklung länderspezifischer Traditionen. Diese müssen künftig stärker demokratische Aspekte berücksichtigen. Hier besteht gegenüber der Traditionsbildung aus fürstlichen Herrschaften heraus ein großer und erinnerungskulturell notwendiger Nachholbedarf.
Die Zeit der Weimarer Republik eignet sich dafür hervorragend. Alle Bundesländer finden hier Anknüpfungspunkte, entweder über die bereits damals existierenden Länder oder über preußische Provinzen mit ihren jeweiligen Landtagen. Gerade Preußen ist dabei als „Bollwerk der Demokratie“ besonders gut geeignet. Seine Geschichte während der Weimarer Republik in der ganzen Regionalität darzustellen, ist ein hervorragender Beitrag in der seit Jahren schwelenden Diskussion über den Umgang mit dem preußischen Erbe.
Die Beschäftigung mit der Demokratie in der Region zur Zeit der Weimarer Republik ermöglicht zugleich die Erinnerung an eine große Zahl weithin vergessener Demokraten. Auf Reichsebene stehen Persönlichkeiten wie Friedrich Ebert, Matthias Erzberger, Hugo Preuß, Walther Rathenau oder Gustav Stresemann inzwischen im Fokus der Erinnerung. Dies trifft jedoch auf zahlreiche verdienstvolle Ministerpräsidenten, Minister und Abgeordnete nicht zu. Die allermeisten von ihnen sind in Vergessenheit geraten – angesichts ihrer Verdienste völlig zu Unrecht.
Im Rahmen des Teilprojekts ist vorgesehen, wissenschaftliche Recherchen zur Geschichte der einzelnen Länder und Provinzen in der Weimarer Republik vorzunehmen. Infolgedessen entsteht eine Zusammenstellung von Personen, die sich um die Demokratie in den Ländern verdient gemacht haben. Deren Sichtbarmachung erfolgt mittels eines Personen-Lexikons, das sowohl digital als auch analog Zugänge schaffen wird. Darüber hinaus entstehen Publikationen zum Zweck der politischen Bildung. Öffentlichkeitswirksam werden außerdem bundesweit unter Einbeziehung regionaler Wissenschaftler und Politiker Veranstaltungen organisiert mit dem Ziel, die demokratischen Traditionen aus der Zeit der Weimarer Republik erfahrbar zu machen.

Abbildung: Hans W. Schmidt, Beratung zur Zusammenschliessung Thüringens in Weimar, 1931