Das Projekt widmet sich dem Juristen und gemäßigten Liberalen Eduard Simson (1810–1899), einer Schlüsselfigur der deutschen Demokratie- und Parlamentarismusgeschichte, die in der Forschung bislang erstaunlich wenig beachtet wurde. Im Mittelpunkt steht Simsons außergewöhnliche Rolle als Parlamentspräsident in sechs unterschiedlichen Parlamenten zwischen 1848 und 1874 sowie sein maßgeblicher Beitrag zur Entwicklung parlamentarischer Leitungs- und Verfahrensregeln – von Tagesordnung und Debattenführung bis zu Ordnungsmitteln und Konfliktmanagement. Auf Grundlage bislang systematisch auszuwertender Quellen entsteht in den kommenden zwei Jahren eine wissenschaftliche Biografie, die Simsons politische Praxis, seine akademische Laufbahn und seine Sozialisation im Königsberger jüdisch-bildungsbürgerlichen Milieu kontextualisiert. Ergänzend werden Familienleben, Netzwerke und politische Positionsbestimmungen über Reden und Handeln in den jeweiligen Parlamenten rekonstruiert.
Das Projekt wird durch eine Initiative und Spende des Düsseldorfer Anwalts Ulf Doepner ermöglicht und von Christian Jansen durchgeführt.