Robert Blum

Erinnerung an einen Demokraten 175 Jahre nach dessen Hinrichtung

1807 in Köln in einfachen Verhältnissen aufgewachsen, wurde Robert Blum bald zu einer zentralen Gestalt der ersten deutschen Nationalversammlung in der Paulskirche in Frankfurt am Main. Er setzte sich mit Wort und Tat für die Demokratisierung des aristokratischen Deutschen Bundes ein und musste schließlich 1848 im Kampf gegen die kaiserlichen Truppen Österreichs sein Leben lassen. Schon kurz nach seiner Hinrichtung in Wien/ Brigittenau wurde Blum zur Heldenfigur des demokratischen Freiheitskampfes stilisiert. Doch heute ist Blum kaum bekannt – nur wenige Spuren erinnern an sein damaliges Wirken im Sinne der Demokratie. Anlässlich seines 175. Todestages am 9. November 2023 rief die GEDG Robert Blum mittels Gedenkveranstaltungen und einer Broschüre über sein Leben und Werk in Erinnerung.

In einem gemeinsamen Grußwort erklärten Bundespräsident Alexander Van der Bellen
und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hierin:

»Für Freiheit und Fortschritt gab ich alles hin«, diese Worte klingen wie eine Lebensbilanz von Robert Blum, der vor 175 Jahren, am 9. November 1848 in Wien erschossen wurde. Sein Schicksal erinnert uns daran, dass Demokratie und Menschenrechte keine Selbstverständlichkeit sind, sondern in der Geschichte immer wieder erkämpft werden mussten. Robert Blum war einer der großen Vorkämpfer der Demokratie – als politischer Publizist, Verleger und Vereinsgründer in Leipzig; als Parlamentarier der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche; schließlich auf den Barrikaden in Wien.

Robert Blum kämpfte für einen Staat, der parlamentarisch legitimiert und als Republik verfasst sein sollte. Er stritt für eine Demokratie, in der die Bürger- und Menschenrechte für jeden und jede gelten sollten. Und er stritt für ein Europa, in dem freie Völker in Frieden zusammenleben sollten, von Frankreich bis nach Polen und Ungarn.

Sein Tod stand für die heraufziehende Niederlage der Demokraten, für das Scheitern der Revolution von 1848/49. Die Ideen aber, für die Robert Blum und viele andere in Deutschland, Österreich und ganz Europa gekämpft hatten, lebten fort und sind heute Wirklichkeit.

Aus der Erinnerung an die demokratischen Aufbrüche der Geschichte können wir Kraft schöpfen für die großen Aufgaben der Gegenwart, die heute vor uns liegen. Von seiner Familie gedrängt, doch von der Politik zu lassen, erwiderte Blum einmal: »Es hätte […] überhaupt nichts Gutes und Großes gegeben, wenn jeder stets gedacht hätte: ›Du änderst doch nichts!‹« Mut zur Veränderung und der feste Glaube daran, dass wir es in der Demokratie selbst in der Hand haben, die Zukunft zu gestalten – das ist es, was Robert Blum uns vorgelebt hat und die Erinnerung an ihn so wertvoll macht.


Folgende Veranstaltungen wurden durchgeführt:

Leipzig: 

1. November, 18 Uhr: Lesung von Ralf Zerback (Blum-Biograf) mit dem Titel „Robert Blum und die Revolution von 1848/49“. Kooperation mit dem Leipziger Geschichtsverein.

Frankfurt: 

6. oder 7. November, 18 Uhr: Lesung und Diskussion mit Gabriele Gillen, Thomas Gebauer mit dem Arbeitstitel „Von der Paulskirche in die Zukunft: Demokratie neu denken“. Grußwort von Ina Hartwig. Kooperation mit der Stadt Frankfurt.

Berlin:

9. November, 18 Uhr: Geschichtslehrer-Fortbildung über Robert Blum und die Revolution 1848/49. Kooperation mit dem Geschichtsdidaktischen Lehrstuhl der HU Berlin, Friedemann Scriba.

Bonn:

24. Oktober: Das Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte des Landesverbandes Rheinische Geschichte (LVR) veranstaltet einen digitalen Gesprächsabend über Robert Blum gemeinsam mit den Referenten Thomas Just vom Österreichischen Haus-, Hof- und Staatsarchiv und Kai-Michael Sprenger, Direktor der Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte. 

Wien: 

9. Oktober: Round Table Gespräch „Demokratie, Verfassung und soziale Ordnung: Kämpfe und Debatten 1848“ im österreichischen Parlament. Kooperation zwischen Parlamentsdirektion und Wiener Stadt- und Landesarchiv.

16. November: Vortrag von Univ.-Prof. Karl Vocelka (Verein für Geschichte der Stadt Wien) mit dem Titel „Der Demokrat Robert Blum. Ein Opfer der Wiener Revolution 1848“ im Wiener Rathaus.

Petterweil:

12. November, 18 Uhr: Gedenkveranstaltung zu Ehren Robert Blums am Robert-Blum-Denkmal in Karben/Petterweil. Kooperation mit dem Karbener Geschichtsverein.


Foto: Die Schauspielerin Katharina Thalbach reizitiert Texte von Robert Blum im Schloss Bellevue, 9. November 2020 (Bundesbildstelle)